Das melancholische Mädchen
Aren’t You Happy?

 

 

Die Grossstädterin der Gegenwart hat es nicht leicht; hip soll sie sein und emanzipiert, sowohl cool als auch informiert, hart im Nehmen, zart im Austeilen, vielseitig interessieren soll sie sich, präsent sein, aber nicht aufdringlich – das alles und noch viel mehr. Angesichts dessen kann ein Mädchen dann schon mal melan-

cholisch werden. In ihrem an der dffb entstand-

enen essayistischen Spielfilm hält die 1985 bei Leipzig geborene, bislang als Schriftstellerin tätige Heinrich dem neoliberal-postmodernen Rollen-Overkill zwischen Konsumismus und Ökoterror den passiven Widerstand der Titelfigur entgegen. Das melancholische Mädchen fungiert in 16 Episoden, die von Ausstattung bis Diktion antinaturalistischen Prinzipien gehorchen, als Projektionsfläche; die, gerade weil an ihr alle Posen und alles Blendwerk scheinbar abprallen, am Ende eine authentische Figur der permanenten Über-

forderung ergibt. Eine Tour d’ennui für Marie Rathscheck in der Hauptrolle, die sich in ihrer Eigenschaft als Frau ohne Eigenschaften wenig anmerken lassen darf und die wie zum Aus-

gleich dafür schliesslich zu angemessen pompöser Bigband-Musik einen derart fulminanten Abgang hinlegt, dass selbst die Strandfototapete sich in Pixel auflöst. Eine frische Brise, die beim diesjährigen Max Ophüls Festival mit dem Hauptpreis ausgezeichnet wurde. (as)

 

 

Deutschland 2019
80 Min. Farbe. DCP. D/e

Regie: Susanna Heinrich

Buch: Susanne Heinrich

Kamera: Agnesh Pakozdi

Schnitt: Susanne Heinrich, Benjamin Mirguet

Musik: Moritz Sembritzki, Mathias Bloech

Mit: Marie Rathscheck, Nicolo Pasetti, Monika Wiedemer, Yann Grouhel


 

Internationaler Wettbewerb 2019 "Cutting Edge"

 

Mittwoch 19.06.2019
18.00 Uhr

Stadtkino Basel

In Anwesenheit von Susanne Heinrich

 

Mittwoch 19.06.2019
18.45 Uhr

kult.kino atelier

 

Donnerstag 20.06.2019
16.45 Uhr

Stadtkino Basel

In Anwesenheit von Susanne Heinrich