Hommage an Walter Marti und Reni Mertens

Nachhall: Mit Reni Mertens und Walter Marti
in die Zukunft

Reni Mertens und Walter Marti schufen ab den 1960er-Jahren ein avantgardistisches, dokumentarisches Œuvre, dessen Formenvielfalt, Dringlichkeit und Anspruch bis heute inspirieren. 20 Jahre nach ihrem Tod würdigt Bildrausch die Pioniere des Jungen Schweizer Films mit einer Hommage. Das Spezialprogramm Nachhall: Mit Reni Mertens und Walter Marti in die Zukunft widmet sich den wichtigsten Stationen des Autorenpaars, das als Filmemacher, Produzenten und Mentoren eine ganze Generation von Schweizer Filmschaffenden beeinflusste.

Ab der Gründung ihrer Firma Teleproduction im Jahre 1953 realisierten Reni Mertens (1918-2000) und Walter Marti (1923-1999) über vier Jahrzehnte hingweg rund zwanzig Dokumentarfilme – gegen alle Widerstände. In einer Zeit, in der die Schweizer Filmförderung noch in den Kinderschuhen stand, erklärten sie das Kino der Väter für tot und vertraten mit ihren ebenso politischen wie poetischen Arbeiten dezidiert linke Positionen. Dabei eilte insbesondere Walter Marti der Ruf eines streitbaren Zeitgenossen voraus. Jeder Film, jedes Thema verlangte für Mertens und Marti nach einer anderen Herangehensweise und eigenen ästhetischen Form – und doch kristallisierte sich in all ihren Werken jene zentrale Frage heraus, die auf den Kern der Dinge deutet und Filme über der Zeit stehen lässt. Entstanden ist ein ebenso radikales und unangepasstes wie klarsichtiges, poetisches und zutiefst humanistisches Werk.

 

Bildrausch präsentiert vier lange Dokumentarfilme des Duos, vom aufsehenerregenden Langfilmdebüt Ursula oder das unwerte Leben (1966) bis zum letzten, vielfach preisgekrönten Opus Requiem (1992) – eine thematische und formale Auslegeordnung, zu der auch Die Selbstzerstörung des Walter Matthias Diggelmann (1974) und Héritage (1980) gehören. Das Kurzfilmprogramm Der Kontinent Mertens und Marti, die Weltpremieren der digital restaurierten Kopien von Les apprentis von Alain Tanner (1964) und Do it yourself von Erich Langjahr (1982) und sowie Le pèlé (Moritz de Hadeln, 1963) – Werke, für die Mertens und Marti als Ko-Autoren oder Produzenten verantwortlich zeichneten — werden ebenfalls gezeigt.

 

Zahlreiche Weggefährtinnen und Freunde haben ihre Teilnahme an Filmgesprächen und an einer Podiumsdiskussion angekündigt, darunter die Schweizer Regissieure Erich Langjahr, Rolf Lyssy und Fredi M. Murer, der österreichische Filmemacher Michael Pilz, die Publizistin Clara Obermüller und der Journalist Alex Bänninger, der Kameramann Urs Thoenen, der ehemalige Festivaldirektor Moritz de Hadeln und die Tochter von Reni Mertens, Marina Mertens sowie Frédéric Maire, Direktor der Cinémathèque suisse.