Basel, 13. Mai 2022

tree of life passing by 

Salomé Jashi gehört zu den grossen Talenten des georgischen Kinos. Ihr anmutig-poetischer Dokumentarfilm Taming the Garden erzählt von Bäumen und von unserem moralischen Dilemma im Umgang mit der Natur und mit uns selbst. In der neuen Deckenprojektion in der Bar des Stadtkinos Basel treffen wir auf ihr filmisches Rohmaterial. Die Bäume ziehen vorüber. Es liegt an uns, ob wir verweilen oder nicht.

Bilder zeigen nicht. Sie stellen dar. Sie evozieren. Sie sind Fragmente, Spiegelungen, Schatten, Geister, die ein Zeichen geben. 

 

tree of life passing by verweist auf verpasste Möglichkeiten, vernachlässigte Wege, blinde Flecken, die unsere Sicht verstellen. Wir stehen hier mit der Zuversicht der Wohlhabenden, mit dem Privileg eines Blicks in die Ferne, während die Grösse der universellen Achse, der universellen Gerechtigkeit beiläufig vorbeizieht. 

 

Wenn ein grosser Baum sich bewegt, rutscht, geht, sieht er prächtig aus. Sein Stamm knarrt. Seine Äste wiegen sich. Es ist lähmend, diese Bewegung im wirklichen Leben zu beobachten. Es ist auch verwirrend, beunruhigend, wahnsinnig. Und schliesslich, wenn die Vernunft einsetzt, ist der Baum weg, es bleibt die Leere, dieses Gefühl, dass etwas da war und nicht mehr ist. Aber was war es? War es nur ein Baum? 

 

Hier, in dieser Videoinstallation, sehen Sie eine Reflexion dieses realen Aktes, einen beiläufigen Blick auf tree of life passing by. Es ist eine momentane Begegnung, eine Anerkennung und ein Abschied.

 

Ich widme dieses Werk den Opfern des heutigen Übels, der zerstörerischen Arroganz des Rassismus, der unbemerkt an Macht gewonnen hat. Aber war er tatsächlich unbemerkt? Ertönten die Schreie aus zu weiter Ferne? Was war es, das die Sicht verstellte?

 

Salomé Jashi

 

Salomé Jashi wurde 1981 in Tiflis, Georgien, geboren. Sie studierte zunächst Journalismus und arbeitete mehrere Jahre lang als Reporterin. Im Jahr 2005 erhielt sie ein Stipendium des British Council, um an der Royal Holloway, University of London, Dokumentarfilm zu studieren.

 

Salomés Jashis Taming the Garden premierte 2021 beim Sundance Film Festival, sowie im Berlinale Forum. Der Film lief an über hundert Festivals. The Dazzling Light of Sunset (2016) wurde mit dem Hauptpreis beim Wettbewerb Regard Neuf von Visions du Réel sowie bei ZagrebDox, Jihlava IDFF, Valdivia IDFF und mehreren anderen Festivals ausgezeichnet. 

 

Ihre frühere Arbeit, Bakhmaro (2011), die in Koproduktion mit ma.ja.de. filmproduktion und MDR/Arte entstand, erhielt eine Ehrenerwähnung für ein junges Dokumentartalent bei DOK Leipzig, wurde als bester mittel- und osteuropäischer Dokumentarfilm beim Jihlava IDFF ausgezeichnet und war für die Asia Pacific Screen Awards und Silver Eye Awards nominiert.

 

Salomé Jashi ist die Gründerin von zwei Produktionsfirmen: Sakdoc Film und Microcosmos, die beide Dokumentarfilme und Spielfilme von hoher künstlerischer Qualität produzieren. Sie war Stipendiatin des Nipkow-Stipendiums im Jahr 2017 und des DAAD Artists-in-Berlin-Programms im Jahr 2020

 

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