Eine Liebesgeschichte, wie sie hypnotischer und geheimnisvoller kaum sein kann: Mittels eines zerstörten Stummfilm-Originals von James Youngs The Bells (1926) lässt Morrison die Begegnung zweier Menschen im Wald, einer Frau und eines Soldaten, zu der Komposition von Michael Gordons atmosphärisch durchdringender Musik in einem neuen Licht erstrahlen. Schemenhaft durchbrochen von sepiafarbenen Wallungen, Wölbungen und Verformungen des Materials, die sich tief in die Substanz wie in die Geschichte des Films eingeschrieben haben, betrachtet der Künstler das Geschehen nicht aus der Ferne, sondern stets mittendrin. Die verführerisch suggestiven, abstrakt lebendigen filmischen Gemälde, die er aus den zersetzten Nitrozellulose-Streifen erzeugt, korrelieren mit Gordons hochgepitchten Violinen-Klängen – mal ziehen sie einander an, mal stoßen sie sich voneinander ab, ganz so wie das Paar im Film. Im Zusammenspiel der visuellen und musikalischen Kräfte entsteht ein seltsam meditativer Reigen betörend schöner Leinwandbilder.
LIGHT IS CALLING
- Bill Morrison
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