LES APPRENTIS

  • Alain Tanner

Zu den Eigenarten des Jungen Schweizer Films gehörte auch das Interesse an der kritischen Bestandsaufnahme: Wer sind die Menschen, welche in der Schweiz leben, warum sind sie hier, was macht sie aus? Man sollte das im Hinterkopf behalten, wenn man Les apprentis sieht, vielleicht erinnern, dass zur gleichen Zeit Alexander J. Seiler & June Kovach & Rob Gnant sich in Siamo italiani (1964) mit einer anderen Gruppe von Arbeitern im Land beschäftigten. Quer- und Längs- schnitte werden gemacht, es gilt, die Schweiz neu zu entdecken – bzw.: eine junge Schweiz sichtbar zu machen, welche im alten Film nur verzerrt vorkam, wenn überhaupt. Tanners erste long metrage, entstanden für die Expo 64, eine Porträtsammlung junger Auszubildender (Uhrmacher, Feinmechaniker, bautechnische Zeichner ...), schaut sich an, wie sie leben, hört ihnen zu, wenn sie über die Verhältnisse am Arbeitsplatz sprechen – macht kenntlich, was an ihnen typisch ist für jene Zeit, jenen Ort. Der Rest, dem eigentlich viel eingeräumt wird, das sind sie selbst, gezeigt mit jenem Pathos des Flüchtigen, welche Zierde ist und Würde des Direct Cinema. Les apprentis liegt nun als digitale Restauration vor, welche der körnigen Poesie des Originals zur Ehre gereicht.

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