Der vielleicht enigmatischste Film von Mertens & Marti, und seis auch nur, weil er einen so auf sich selbst zurückwirft, dass es einen narrisch macht. Folgende Setzungen: Der Schriftsteller Walter Matthias Diggelmann bekommt eine Stunde Zeit, sich vor der Kamera bei laufendem Tonaufzeichnungsgerät mitten ins Mikro auszulassen. Es wird nichts geschnitten. Alles bleibt, wie es ist. Diggelmann hätte auch einfach eine Stunde lang nichts sagen können, oder in Mundart sprechen, was ihm leichtgefallen wäre, will einem scheinen, wenn man ihn da mit dem Hochdeutschen ringen hört/sieht. Diggelmann jedoch lässt sich aus zu den Dingen. Aber zerstört er sich dabei? Was ist das eigentlich: eine Selbstzerstörung? Kann man im Auge der Öffentlichkeit je hart genug mit sich selbst umgehen? Und was nützt alle Ehrlichkeit, wenn man – mit bestem Wissen und Gewissen wie im Beichtstuhl unter den Augen des Himmlischen Vaters – alles so sagt, wie es ist, und es entspricht nicht dem, was von einem erwartet wird, was die anderen in einem sehen? Wie viel Mensch kann einem das Kino vermitteln? Kann es das überhaupt? Ein angewandter Beitrag zur Filmphilosophie.
DIE SELBSTZERSTÖRUNG DES WALTER M. DIGGELMANN
- Reni Mertens Walter Marti
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