Die Grossstädterin der Gegenwart hat es nicht leicht; hip soll sie sein und emanzipiert, sowohl cool als auch informiert, hart im Nehmen, zart im Austeilen, vielseitig interessieren soll sie sich, präsent sein, aber nicht aufdringlich – das alles und noch viel mehr. Angesichts dessen kann ein Mädchen dann schon mal melancholisch werden. In ihrem an der dffb entstandenen essayistischen Spielfilm hält die 1985 bei Leipzig geborene, bislang als Schriftstellerin tätige Heinrich dem neoliberal-postmodernen Rollen-Overkill zwischen Konsumismus und Ökoterror den passiven Widerstand der Titelfigur entgegen. Das melancholische Mädchen fungiert in 16 Episoden, die von Ausstattung bis Diktion antinaturalistischen Prinzipien gehorchen, als Projektionsfläche; die, gerade weil an ihr alle Posen und alles Blendwerk scheinbar abprallen, am Ende eine authentische Figur der permanenten Überforderung ergibt. Eine Tour d’ennui für Marie Rathscheck in der Hauptrolle, die sich in ihrer Eigenschaft als Frau ohne Eigenschaften wenig anmerken lassen darf und die wie zum Ausgleich dafür schliesslich zu angemessen pompöser Bigband-Musik einen derart fulminanten Abgang hinlegt, dass selbst die Strandfototapete sich in Pixel auflöst. Eine frische Brise, die beim diesjährigen Max Ophüls Festival mit dem Hauptpreis ausgezeichnet wurde.
DAS MELANCHOLISCHE MÄDCHEN
- Susanna Heinrich
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