DIE PAPIERNE BRÜCKE

  • Ruth Beckermann

«Ich bin filmiert», sagt der alte Herbert Gropper freudig-triumphierend in der zu Rumänien gehörenden Bukowina in einem Deutsch, dem man die Distanz zum aktiven Sprachgebrauch anmerkt: «Diesmal für die Unsterblichkeit. Nicht einmal geträumt hätte ich, dass ich einmal ein Filmbild abgeben kann.» Darin klingen Poetik und Politik von Ruth Beckermanns Filmen an, unter denen Die papierene Brücke eine entscheidende Stellung hat. «Widerstand leisten in der Zeit», sagt Gropper über die Funktion eines jüdischen Friedhofs im rumänischen Siret. Und das tut letztlich der Film, der das Gewesene mit der Aktualität zusammendenkt, der die eigene Familiengeschichte weitet – Beckermanns Vater stammt aus dem Osten, seine Migrationsbewegung in den Westen zeichnen die eindrucksvoll-charakteristischen Kamerafahrten in Bussen und Autos von rechts nach links nach. Vom jüdischen Leben in Rumänien und Jugoslawien Mitte der achtziger Jahre als Resultat der Shoah geht es in das Wien, in dem der Austrofaschismus im Zuge der Waldheim-Affäre sein antisemitisches Gesicht auf der Strasse zeigt. Dazwischen Juden aus Österreich, die sich für eine amerikanische Fernsehproduktion selbst spielen, auch weil das eine Chance bietet, um sich aus der Geschichte zu befreien.

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