Julian Radlmaiers Besuch des Bildrausch 2014, seine Begegnung hier mit dem Proust des modernen Kinos, Nils Malmros, hat offenbar Spuren hinterlassen: Mit Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes hat er seinen dffb-Abschlussfilm als Variante eines autobiografischen Spiels realisiert. Radlmaier gibt den Jungregisseur Julian, der auch noch bei der winzigsten Förderung abblitzt, ins Hartz-IV-Fegefeuer rutscht und sich nun als Apfelpflücker verdingen muss. Kompliziert wird's, als er sich in eine kanadische Schöne verknallt und ihr weismacht, dass er bei der Ernte zwecks Recherche für einen kommunistischen Märchenfilm mitarbeitet. Zu nicht weniger als existenziell-ideologischen Krisen kommt's gar, als ihm im Laufe der Arbeitszeit klar wird, was das Wort «Klassenantagonismus» so ganz wirklich meint. Aber da ist ja auch noch das Kino, wo andere Regeln geltend gemacht werden dürfen ... Und so entstand mit Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes im Spannungsfeld von Pasolini, Beckett und Chaplin exakt jener verschroben-komische, formal kokett strenge kommunistische Märchenfilm, den Radlmeiers Alter Ego Julian dauernd weiterspintisiert, um nicht die Wahrheit über sein trübes Dasein sagen zu müssen.
SELBSTKRITIK EINES BÜRGERLICHEN HUNDES
- Julian Radlmaier
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