Bei Liverpool denken die meisten wohl an die Beatles. Dann fällt vielleicht dem einen oder der anderen noch ein, dass Liverpool vormaleinst eine der Welthauptstädte des Schiffsbaus war, eine wohlhabende Hafenstadt, nein, eine bedeutende, eine strahlende Handelsmetropole. Längst verloren und verblichen ist dieser Glanz, in den Siebzigern trafen Arbeitslosigkeit und Kriminalität und die ganze Härte des Thatcherismus die Stadt und ruinierten sie – fast. 2008 trug Liverpool dann schon wieder den Ehrentitel «Kulturhauptstadt Europas», und um das zu feiern, wünschte sie sich ein Porträt von ihrem berühmtesten Filmemachersohn. Freilich erfüllte Terence Davies die Erwartungen auf seine höchst eigenwillige Weise – nicht. Sein essayistisches Porträt – prallvoll Materials und kultureller Referenzen – umgreift die Heimatstadt zärtlich und liebevoll – und wischt ihr die Schminke weg. Davies zeigt Liverpools vergangenes Elend, seine architektonische Hässlichkeit, die Armut seines Proletariats, er verzichtet auf die gloriosen Zeiten, er erzählt von der Stadt, in der er aufwuchs und vom Wie. Und in seinem selbst gesprochenen, dramatisch intonierten Voiceover hört man Schmerz und Liebe zu gleichen Teilen.
OF TIME AND THE CITY
- Terence Davies
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