ICH SEH, ICH SEH

  • Veronika Franz Severin Fiala

Als die Mama endlich wieder nach Hause kommt, ist ihr Gesicht mit Bandagen bedeckt – aber warum? Die zehnjährigen Zwillinge zweifeln an der Identität dieser Frau: Das ist nicht ihre Mama; deshalb gehorchen sie der auch nicht. Woraufhin sie versucht, sich mit nackter Gewalt Respekt zu verschaffen ... Aber warum spricht eigentlich immer nur der eine von den beiden Jungs? Was ist hier wirklich los?

Das Spielfilmdebüt von Severin Fiala & Veronika Franz (Ulrich Seidls langjährige künstlerische Komplizin) wirkt wie eine spätmoderne Mischung aus Georges Franju und Lucio Fulci: Von Ersterem stammt der schlafwandlerisch-hell-alerte Grundton dieses Meisterwerks der Beunruhigung, von Letzterem kommen dessen pulpige Spitzen, die Lust am Exzess, an einer Lyrik präzis gesetzter Splatter-Schocks. Verhandelt werden dabei Fragen, denen man ansonsten eher aus dem Weg geht: Worauf sind Liebe und Vertrauen gebaut, was tun wir aus Enttäuschung und Verzweiflung einander an, welche Grenzen sind wir dabei Willens zu überschreiten? Man beachte die Stoffeselchen im Stockbett der Kinder: Sie sind Verwandte gleichsam von Bressons Balthasar wie auch des namenlosen Grautierkadaver aus Buñuels Un chien andalou (1929).

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