UROKI GARMONII

  • Emir Baigazin

Schönheit und Grausamkeit sind die zwei Seiten einer Medaille, sind das Alpha und das Omega einer wohlgeordneten Welt. Zumindest sind sie das in Harmony Lessons, dem Langfilmdebüt des 1984 geborenen Emir Baigazin. Nach seinem eigenen Drehbuch setzt der kasachische Filmemacher eine Geschichte von grosser Grausamkeit in Bilder nicht minderer Schönheit. (Für seine von Sinnlichkeit wie Abstraktion gleichermassen geprägte Kamerarbeit wurde Aziz Zhambakiyev bei der diesjährigen Berlinale mit dem Silbernen Bären für eine herausragende Künstlerische Leistung ausgezeichnet.)

Harmony Lessons erzählt vom 13-jährigen Aslan, der unter den perfiden Schikanen seines Mitschülers Bolat leidet. Der wiederum ist nicht mehr als das ausführende Organ einer gewalttätigen Struktur, die sich durch alle Bereiche dieses in einem entlegenen Dorf angesiedelten Mikrokosmos erstreckt. Bis in ihre feinsten Verästelungen seziert Baigazin diese Struktur, präpariert die tiefen Verheerungen, die sie anrichtet, und zeichnet das Bild einer mitleidlosen, von Kälte und Härte geprägten, brutalisierten Gesellschaft. Schonungslos und genau, mit einem Blick, der überall das Wohlgestaltete, Anmutige entdeckt – dem Bildinhalt will es sich nun aber nicht mehr harmonisch fügen, es reibt sich vielmehr sperrig daran. Ein Auseinanderklaffen, das dauerhaft schmerzt.

RELATED MOVIES

TRANSE

Teresa Villaverde Portugal 2006

TRANSE

BOVEN IS HET STIL

Nanouk Leopold Niederlande, Deutschland 2013

Award Icon
BOVEN IS HET STIL

PASOLINI

Abel Ferrara Frankreich/Italien/Belgien 2014

PASOLINI

RISING WITHIN THE REALMS OF SLEEP

Peter Strickland Grossbritannien 1992

RISING WITHIN THE REALMS OF SLEEP

THEY SHALL NOT GROW OLD

Peter Jackson Grossbritannien, Neuseeland 2018

THEY SHALL NOT GROW OLD

FREITAGABEND

Filipa Ries Schweiz 2021

FREITAGABEND

City of Wind

Lkhagvadulam Purev-Ochir Katar, Deutschland, Niederlande, Portugal, Mongolei, Frankreich 2023

City of Wind

ABADAN

Mani Haghighi Iran 2004

ABADAN