IJUL’SKIJ DOŽD

  • Marlen Chuciev

Ein junger Mann leiht seine Jacke gentlemanhaft einer schönen Unbekannten aus, als unerwartet ein erfrischender Sommerregen auf die Strassen Moskaus prasselt. Mehrere Telefongespräche zwischen den beiden, der Abbruch einer langjährigen Beziehung und vor allem die ziellosen Wanderungen der Heldin Lena durch Moskau und die Wohnungen von Freunden zeichnen die leichtfüssige Filmfabel aus.

Mit July Rain (Ijul’skij dožd, 1967)  schreibt Marlen Chuciev sein fünf Jahre früher entstandenes Meisterwerk Ilyich’s Gate (Zastava Il’iˇca, 1962) fort: Vieles kommt einem anfänglich vertraut vor, bald werden aber Veränderungen sichtbar. Die jungen Moskauer sind mittlerweile dreissig, gehen einer geregelten Arbeit nach und sehnen sich zugleich nach etwas Neuem. Anstelle des Nachdenkens über die persönliche Entfaltung im Kollektiv, anstelle der Diskussionen im Kreis der Gleichgesinnten dominiert hier ein Schweigen über das Wesentliche. Die Kamera beobachtet eine Stimmung des ritualisierten Zusammenseins, das vom Austausch von Banalitäten und einstudierten Posen geprägt ist. Erneut hat Chuciev die gesellschaftlichen Veränderungen seiner Zeit und insbesondere das Gefühl der verlorenen Hoffnung im eingeläuteten Ende des Tauwetters präzise dargestellt. Und auch dieser Film war nur für kurze Zeit in den Kinos zu sehen…

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