Sacro GRA

 

 

In Sacro GRA nähert sich Rosi Menschen, die an den Ausfallstrassen der Autostrada del Grande Raccordo Anulare wohnen. Er trifft dabei auf schräge Vögel und Aussenseiter, die um ihre Existenz kämpfen. Seine mal kuriosen, mal heftigen, mal herzerwärmenden Geschich-

ten hängen nur dadurch zusammen, dass sie alle entlang der kreisförmigen Verkehrsader, dem sogenannten GRA, spielen. Aus der scheinbar ziellosen Entdeckungsreise in die Peripherie entwickelt sich so ein faszinierender Mikrokosmos, der poetisches und komisches Potenzial zugleich entfaltet. So begegnet man einem schrullig-romantischen Naturforscher, der die Bäume entlang der Autobahn auf Käferbefall inspiziert, zwei Prostituierten, die zynisch einen Zwischenfall mit der Polizei diskutieren, oder einem Aristokraten, der von seinem Fenster aus die gegenüberliegende Villa beobachtet. Das Alltägliche wird zum Politischen erklärt, und so wagt sich Rosi weit hinein in die Ambivalenzen und Unklarheiten der Post-Berlusconi-Gesellschaft. Sacro GRA ist der erste Dokumentarfilm, der den Goldenen Löwen der Filmfestspiele von Venedig gewann. (ph)

 

 

Italien, Frankreich 2013
95 Min. Farbe. DCP. I/e

Regie: Gianfranco Rosi

Buch: Gianfranco Rosi (Niccolò Bassetti)

Kamera: Gianfranco Rosi

Schnitt: Jacopo Quadri


 

Gianfranco Rosi: Der Wahrheitssucher
Bildrausch 2019