The Souvenir

 

 

Julie, Filmstudentin, kommt aus gutem Hause und wuchs offenbar in wohlbehüteten Verhältnissen auf – selbst Punk hat etwas irritierend Unschuldiges, wenn er durch ihr Apartment rauscht. Eines Tages lernt sie Anthony kennen und verliebt sich Hals über Kopf in den elegant-kultivierten Charmeur, der für das Aussenministerium tätig und deshalb stets von einer Aura des Geheimnisses umgeben ist. Dabei hat er aber auch etwas Halbseidenes – eine weitere, weniger glamouröse verborgene Seite ... Julie entscheidet sich, nur den Mann zu sehen, den sie liebt. Joanna Hogg hat sich nach Unwanted (2008), Archipelago (2010) und Exhibition (2013) erneut der Malaise und Melancholie unter den sozial wie finanziell Bessergestellten Grossbritanniens zugewandt, wenn auch diesmal aus einem verblüffenden Blickwinkel: dem der eigenen Erinnerung. Doch man hüte sich vor der Sackgasse «Geständnisse und Autobiografisches»: The Souvenir ist vor allem eine Amour fou, die den Zuschauer in einen der Sinnlichkeit geweihten Alltag hineinzieht, die innere Wirklichkeit eines einander Verstehens, die sich vor allem in gemeinsamen Rhythmen und zueinander passenden Kleidungsstücken ausdrückt. Ein Meisterwerk des modernistischen Melodrams. (om)

 

 

GB 2019
119 Min. Farbe. DCP. E/e

Regie: Joanna Hogg

Buch: Joanna Hogg

Kamera: David Raedeker

Schnitt: Helle le Fevre

Mit: Honor Swinton Byrne, Tom Burke, Tilda Swinton


 

Internationaler Wettbewerb 2019 "Cutting Edge"
Bildrausch 2019