Ptaki śpiewają w Kigali
Birds Are Singing in Kigali

 

 

«Man tötet eine Million Menschen nicht ohne Grund», belehrt ein polnischer Beamter die Ornithologin Anna. Die Wissenschaftlerin verliert die Fassung. Sie schreit den Mann vom Ausländeramt an: «Wegen weissen Arsch-

löchern wie Ihnen mussten sie sterben, nur dass die an der Sorbonne studiert haben.» Anna setzt sich bei dem Beamten für das Bleiberecht einer Freundin aus Ruanda ein, die mit ihrer Hilfe 1994 knapp dem Völkermord an der Tutsi-Minderheit entkommen konnte. Oder vielleicht ist Freundin das falsche Wort. Die beiden Frauen sind eher in einer Art Hassliebe aneinandergekettet: Der Anblick der anderen scheint die Vergangenheit immer wieder schmerzhaft hervorzuzerren. Dem polnischen Regiepaar Joanna Kos-Krauze und Krzysztof Krauze gelingt es, das Trauma der beiden Frauen filmisch überzeugend erfahrbar zu machen. Der Zusammenhalt ihrer Realität scheint zerbrochen, in Wahrnehmungs-

fragmente aufgelöst. Immer wieder geschieht die eigentliche Handlung im Off, während die Kamera auf Nebensächliches fokussiert, so als sei der Film mit seinen Gedanken ganz woanders. Joanna und Krzysztof Krauze arbeiteten während mehr als 20 Jahren zusammen und wurden für ihre Arbeiten mit zahlreichen Preisen geehrt. Krzysztof Krauze starb während der Produktion des Films. Seine Frau musste ihn alleine fertigstellen. (svr)

 

 

Polen 2017
113 Min. Farbe. DCP. Pol/E/e

Regie: Joanna Kos-Krauze, Krzysztof Krauze

Buch: Joanna Kos-Krauze, Krzysztof Krauze

Kamera: Krzysztof Ptak, Józefina Gocman, Wojciech Staroń

Schnitt: Katarzyna Lesniak

Musik: Pawel Szymanski

Mit: Jowita Budnik, Eliane Umuhire, Witold Wielinski, Ciza Remy Muhirwa


 

Internationaler Wettbewerb 2018 "Cutting Edge"
Bildrausch 2018