Columbus

 

 

Zwei Leben in der Schwebe. Während um sie her alle ins Erwachsenenleben aufbrechen, sorgt sich Casey um ihre ehemals drogensüchtige Mutter und wagt nicht, Pläne für ihre eigene Zukunft zu schmieden. Jin hingegen muss in Korea alles stehen und liegen lassen, um seinem in den USA schwer erkrankten, entfremdeten Vater beizustehen. Casey und Jin begegnen einander in Columbus, Indiana, einer relativ kleinen Stadt, die gleichwohl weltweit für ihre ikonografische Architektur der Moderne wie für ihre Kunst im öffentlichen Raum gerühmt wird. Casey zeigt Jin ihre liebsten Gebäude, und Jin zeigt Casey, wie man loslässt. Mit Columbus legt der in Seoul geborene Kogonada (ein Pseudonym und eine Reminiszenz an Ozus Drehbuchautor Kogo Noda), der bislang als Videoessayist und Filmjournalist tätig war, einen beeindruckenden Erstling vor. Ein dicht gewobenes, narratives Geflecht, in dem die Gebäude durch den Blick, den die Protagonisten auf sie richten, den Status von Handlungsträgern erlangen. Und in dem umgekehrt der umbaute Raum den in ihrem Leben unbehausten Menschen Trost und Zuversicht vermittelt: Die klare Linie des architektonischen Gedankens vermag das undurchschaubare Gewirr des Gefühls zu besänftigen. Nicht zuletzt, weil Ordnung und Chaos gleichermassen im Menschlichen wurzeln. (as)

 

 

USA 2017
101 Min. Farbe. DCP. E/d

Regie: Kogonda

Buch: Kogonda

Kamera: Elisha Christian

Schnitt: Kogonda

Musik: Hammock

Mit: John Cho, Parker Posey, Haley Lu Richardson, Michelle Forbes


 

Internationaler Wettbewerb 2017 "Cutting Edge"
Bildrausch 2017