Koca Dünya
Big Big World

 

 

Ali wurde vor Kurzem aus einem Waisenhaus entlassen und sucht nun jenes Mädchen, von dem er glaubt, es sei seine Schwester: Zuhal. Die nun wird von ihrem Ziehvater, der sie bald zur Zweitfrau machen will, wie eine Gefangene gehalten ... Klingt wie ein Noir-Thriller, sieht so aus, fühlt sich so an – bis [Big Big World] einen Haken schlägt, den man nicht kommen sah: Ali findet Zuhal, Blut fliesst, mit einem Mal sind sie auf der Flucht ... Und plötzlich verwandelt sich der Film in eine Art zart-dunklen Feentraum, ein Märchen von zwei Kindern, die auszogen, in einem Zaubersumpf das Leben zu lernen ... Reha Erdem ist der eigensinnigste Gegenwartsfilmemacher der Türkei, zudem der einzige von Weltrang, dessen Ästhetik verwurzelt ist in einer lokalen, leicht surrealistisch grundierten Moderne. Wie schon in [Times and Winds] (2006), [Cosmos] (2010) oder [Jîn] (2013), hat auch [Big Big World] etwas Schwebend-, fast Flüchtig-Ätherisches in seiner Inszenierung, das die Gravitas der Fabel, die Mächtigkeit ihrer Symbole auf immer wieder verblüffende Weise austariert. Was fast schon zu verkopft klingt angesichts der schieren haptischen Wucht des Films – des Furors, mit dem er einen in einsame Abgründe und herrliche Höhen reisst. (om)

 

 

Türkei 2016
101 Min. Farbe. DCP. Tr/e

Regie: Reha Erdem

Buch: Reha Erdem

Kamera: Florent Herry

Musik: Nils Frahm

Mit: Berke Karaer, Ecem Uzen, Melisa Akman, Ayta Sözeri


 

Internationaler Wettbewerb 2017 "Cutting Edge"
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