JAHR

 


Jury des Internationalen Wettbewerbs 2018

Die internationale Jury zeichnet ihren Favoriten am Sonntag, 3. Juni 2018 mit dem Bildrausch-Ring der Filmkunst aus. Die Preissumme beträgt erstmals 5'000 Franken (Vorjahr: 3'000 Franken).

 

 

SIMON FIELD


arbeitete viele Jahre als freier Autor, Filmdozent und -kurator, bevor er 1988 Director of Cinema am Londoner Institute of Contemporary Art wurde. Während acht Jahren programmierte er die beiden Kinos des ICA und leitete deren Filmvertrieb ICA Projects. Als Künstlerischer Leiter des Internationalen Filmfestivals Rotterdam prägte er von 1996 bis 2004 dessen Profil – stets auf der Suche nach neuen Talenten und Filmströmungen, mit besonderem Interesse an Filmen aus Ostasien sowie Werken im Grenzbereich zwischen der siebten und den anderen Künsten. Sein Herz schlägt für Filme, die eigenwillig auf soziale und gesellschaftliche Umstände reagieren; in der Kunst sucht er stets den Bezug zur Gegenwart. Diesen Ansatz verbindet ihn mit Peter Sellars, für dessen «New Crowned Hope»-Festival anlässlich des Wiener Mozartjahrs 2006 er das Filmprogramm kuratierte und ko-produzierte: sechs Auftragsarbeiten von Regisseuren aus verschiedenen Weltregionen – darunter Apichatpong Weerasethakul, für dessen Werke er seither regelmässig als Produzent verantwortlich zeichnet.

 

ATHINA RACHEL TSANGARI


ist als Filmemacherin und Produzentin eine zentrale Protagonistin des jungen griechischen Kinos, das in seit einigen Jahren durch sein radikales, freies und kompromissloses Schaffen von sich reden macht. Wie eine Verhaltensforscherin nimmt sie die Spezies Mensch und ihr seltsames Gebaren unter die Lupe – und erfindet dabei ein formal einfallsreiches Kino voll absurder Situationen und ganz eigener Komik. Ihr Ansatz beim Inszenieren sei eher biologisch denn psychologisch, erklärt sie und nennt neben Vorbildern von Buñuel bis Aristoteles auch Tierfilme als Inspiration. Mit Attenberg, der 2010 in Venedig Premiere feierte und den ersten Bildrausch eröffnete, bereitete sie der «Neuen Griechischen Welle» die Bühne. 2015 fand ihre Buddy-Komödie Chevalier grosse Anerkennung. Als Produzentin ist sie mit ihrer Firma Haos Film auch für das Schaffen Anderer tätig. Für Yorgos Lanthimos – den anderen jungen griechischen Wilden – produzierte sie Kinetta, Dogtooth und Alps und wirkte als Ko-Produzentin für Richard Linklaters Before Midnight.

 

TERESA VILLAVERDE


ist eine der wichtigsten Regisseurinnen des aktuellen portugiesischen Kinos, zu dem auch Filmemacher wie João Pedro Rodrigues und Miguel Gomes zählen. Ihr Interesse gilt den von der Gesellschaft ins Abseits Gedrängten. Seit ihrem Debüt Alex (1991) widmet sie sich Figuren und Schicksalen verschiedenster Milieus und Herkunft, von denen sie bestürzende Portraits zeichnet: darunter Heimkinder, die nicht gehorchen wollen (The Mutants, 1998), junge Frauen, die zu Sexsklavinnen degradiert werden (Trance, 2006) und immer wieder einfache Mittelstandsfamilien, die schleichend an inneren und äusseren Umständen zu zerbrechen drohen. Weit entfernt von simpler Sozialkritik thematisiert sie akute gesellschaftliche Probleme ohne zu werten. Zwischen kühler Beobachtung und poetischer Imagination reflektiert sie dominante Sichtweisen und bricht diese dann auf. Als Mittel zum Zweck dient ihr dabei eine sehr eigene, mitunter radikale filmische Form, anhand derer sie ähnlich entschlossen wie ihre Figuren gegen den Status quo rebelliert. Ihre Filme werden an den grossen internationalen Festivals präsentiert und sorgen regelmässig für Aufsehen. Für ihren jüngsten Spielfilm Colo wurde Teresa Villaverde 2017 mit dem Bildrausch-Ring der Filmkunst ausgezeichnet.