Fátima

 

 

Elf Frauen marschieren die Landstrasse ent-

lang; das Tempo ist hoch, das gesteckte Ziel nicht minder: 430 Kilometer in neun Tagen wollen sie zurücklegen auf ihrem Weg von Vinhais im Norden Portugals nach dem zentral gelegenen Fátima, jener berühmten katholi-

schen Pilgerstätte, an der die Gottesmutter drei Hirtenkindern erschienen sein soll. Eine Wall- fahrt also, eine Pilgerreise, erschwert vom hohen Verkehrsaufkommen, von wiederkehr-

endem Regen, von aufflammenden Streitig-

keiten, von blutigen Blasen, Gelenksent-

zündungen, Muskelkrämpfen, Erschöpfungs-

zuständen, Kreislaufkollapsen und Nerven-

zusammenbrüchen. Wen wundert’s, dass eher selten gebetet wird und die besinnlich-medi-

tative Innere-Einkehr-Stimmung, die gemeinhin mit einer Pilgerschaft assoziiert wird, sich weit und breit nicht bemerkbar macht. In der bekan-

ntlich dem Poetisch-Metaphernreichen zuge-

neigten portugiesischen Kinematografie vertritt das Werk des 1957 in Porto geborenen João Canijo den eher nüchternen Ansatz eines quasidokumentarischen Realismus. Er schickte seine Schauspielerinnen selber auf Pilgerschaft und erarbeitete mit ihnen das Drehbuch an-

hand ihrer Notizen und Erfahrungen. Das Er-

gebnis bietet auf der langen Strecke äusserste Kurzweil. (as)

 

 

Portugal, Frankreich 2017
153 Min. Farbe. DCP. P/e

Director: João Canijo

Script: João Canijo

Camera: Mário Castanheira

Editor: João Braz, Elsa Ferreira

Cast: Anabela Moreira, Rita Blanco, Teresa Tavares, Sara Norte


 

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