Hommage an Paul Schrader

In the Hands of an Angry God

 

Wenn ein Regisseur und Autor sich mit spirituellem Hunger, menschlichen Abgründen, Verdammnis und Erlösung auskennt, dann ist es Paul Schrader. Taxi Driver, sein von Martin Scorsese verfilmtes Drehbuch, katapultierte ihn 1976 ins Scheinwerferlicht von New Hollywood. Es folgten mehr als 20 eigene Regiearbeiten, darunter Blue Collar, American Gigolo, Mishima und Light Sleeper, sowie die Drehbücher zu Raging Bull, The Last Temptation of Christ oder Bringing Out the Dead. Wie kaum einem anderen amerikanischen Filmemacher seiner Generation gelingt es dem Chronisten der Einsamen und Leidenden, immer wieder neue Brücken zwischen dem radikalen Autorenfilm und Hollywoods Starsystem zu schlagen. Was sein weitreichendes Werk auszeichnet ist ein unermüdlicher Wille zur Auflehnung, der ihn mit seinen stets getriebenen Figuren verbindet, ganz gleich ob sie sich mit Schuld und Sühne konfrontiert sehen, sich gegen innere Qualen und äusseren Druck zur Wehr setzen müssen oder sie das ewige Bestreben nach Höherem antreibt. Erste Anzeichen seiner eigenwilligen Methode liessen sich bereits in Schraders Lehrjahren als Filmkritiker und –theoretiker erkennen, nicht zuletzt auch in dem Buch «Transcendental Style in Film». Das Bildrausch-Spezialprogramm spannt den Bogen von seinen frühen Filmen bis hin zu seinem neuen Meisterwerk First Reformed, dessen Hauptfigur – der von Ethan Hawke gespielte Priester Ernst Toller – 40 Jahre später scheinbar nahtlos an die innere Zerrissenheit des Taxifahrers Travis Bickle anknüpft. Die Schweizer Premiere von First Reformed ist Teil des Wettbewerbs «Cutting Edge».


Paul Schrader wird vom 30. Mai bis zum 3. Juni in Basel anwesend sein und persönliche Einblicke in sein Werk gewähren.
 

 

Lecture
Paul Schrader: Rethinking Transcendental Style

 

Paul Schraders Klassiker «Transcendental Style in Film» erschien 1972. Pünktlich zu Bildrausch wird das einflussreiche Werk als erweiterte Ausgabe neu aufgelegt. Wie kann das Licht des Kinos das für uns nicht Sichtbare, das Transzendente, einfangen? Paul Schrader wird uns in seiner Lecture «Rethinking Transcendental Style» die Augen für diese Qualität des Films öffnen und ergründet im Gespräch mit dem Kultur- und Medienwissenschaftler Johannes Binotto, wie sich seine These in den letzten 45 Jahren verändert hat.
 
Stadtkino Basel
Samstag, 2. Juni 2018, 16:15 Uhr
Eintritt frei