Whores’ Glory

 

 

Michael Glawogger suchte in einem Bangkoker «Fishtank», einem Faridpurer Bordellhäuserkomplex und in Reynosas «La Zona» die Liebe, ihre Rituale. Er suchte das Normale, Ordinäre des Begehrens, das Alltägliche der Arbeit an einer Vorspiegelung von Gefühlen, in der (oder doch: denen?) man sich schnell selbst verlieren kann. In der Prostitution, war die Arbeitshypothese, zeigt sich die Liebe schneller, steil-zugespitzter, aber auch flüchtiger als sonstwo, da alles schnell gehen muss. Und die Vermutung bewahrheitet sich, und so wird Whores’ Glory zu einem Hochamt des Lebens, einer Feier der Liebe in all ihrem opaken Schillern. Jedes Stück Kino, das Michael Glawogger schafft, sei es eine Dokumentation (Megacities, 1998; Workingman’s Death, 2005), sei es ein Spielfilm (Contact High, 2009; Das Vaterspiel, 2009), ist davon beseelt, dass er die Welt neu erfahren will – denn vielleicht ist sie ja doch ganz anders, als man gemeinhin sagt. Und tatsächlich: So oft ist sie viel prächtiger als alles, was wir zu glauben wagten. Wonach er sucht, ist die Wahrheit der Oberflächen, der sichtbaren Welt. In Whores’ Glory sind das: die Gesichter der Nutten und Freier, ihre Posen wie Geschichten, und die oft vollgestopften Geschäftsräume mit Nippes, Stofftieren, Heiligenbildern und Dildos, die da herumliegen wie in anderen Apartments Feuerzeuge – Gefühlsablagerungen schichten sich da wie Erdzeitalter. (om)

 

 

Österreich 2011
119 Min. Farbe. 35mm. OV/e

Regie: Michael Glawogger

Buch: Michael Glawogger

Kamera: Wolfgang Thaler

Schnitt: Monika Willi

Musik: -


 

Internationaler Wettbewerb 2012 «Cutting Edge»
Bildrausch 2012