3X3D

 

 

Was fällt Vertretern des Arthouse-Kinos zu einem technischen Mittel ein, das primär vom Kommerzkino genutzt wird? Was fangen Filmemacher wie Jean-Luc Godard, Peter Greenaway und Edgar Pêra mit dem stereoskopischen Aufnahmeverfahren 3D an? Der facetenreiche Omnibus-Film 3×3D – 2012 im Auftrag der portugiesischen Stadt Guimarães entstanden, die damit ihr Jahr als eine der europäischen Kulturhauptstädte feierte – gibt Antworten.

 

In fliessender Bewegung durch bedeutende historische Gebäude der Stadt unternimmt Greenaway mit Just in Time einen Streifzug durch die Geschichte der Stadt, versieht das Abgebildete mit schriftlichen Erklärungen und erstellt vermittels 3D eine Art Aufklapp- Reiseführer der anderen Art. Godards The Three Disasters ist ein audiovisueller Essay über die Wahrheit der Bilder und das Lügen der Worte, über das Kino an sich und das Leben überhaupt. In die für Godard typische Kombination unterschiedlicher Darstellungsformen – Filmausschnitte, Foundfootage, Voiceover und Text – gliedert sich der 3D-Effekt organisch ein. Pêra schliesslich bringt es in Cinesapiens, einer satirischen Tour de Force durch die Technikgeschichte des Mediums, auf folgenden Punkt: Ob es nun der heranrasende Zug der Lumières ist oder die mit grossem Aufwand hergestellte Illusion des Räumlichen, wir sind immer noch die gleichen, das Bewegtbild bestaunenden Höhlenmenschen. Könnte stimmen.(as)

Vorfilm: Die Fliege

Farbe. DCP. Ohne Dialog
Regie: Paul Scherrer Institut (PSI)

 

In der Zeit eines menschlichen Augenaufschlags kann eine Schmeissfliege 50-mal mit ihren Flügeln schlagen und dabei jeden einzelnen Flügelschlag mit zahlreichen winzigen Steuermuskeln kontrollieren – manche davon sind so dünn wie ein Menschenhaar. Wie dieser einzigartig komplexe Mechanismus funktioniert, der das Ergebnis von 300 Millionen Jahren Evolution ist, hat jetzt ein internationales Forschungsteam aus England und der Schweiz in einem 3D-Film sichtbar gemacht. Der Film zeigt, wie sich die einzelnen Flugmuskeln im Brustkorb einer fliegenden Fliege bewegen. Um den Film zu produzieren, haben die Forschenden die Fliege aus verschiedenen Richtungen durchleuchtet und die einzelnen Bilder dann mit einem Computerprogramm zu dem Film zusammengebaut. Zum Durchleuchten haben sie Röntgenlicht verwendet, das in der Synchrotron Lichtquelle Schweiz SLS erzeugt wurde – einer Teilchenbeschleunigeranlage, die das Paul Scherrer Institut PSI im Aargauischen Villigen betreibt. An dem Projekt beteiligt waren Forschende der Universität Oxford, des Imperial College London un des Paul Scherrer Instituts.

 

 

 

 

Frankreich, Portugal 2013
70 Min. Farbe.. DCP.. F, E, Pt/e

Regie: Jean-Luc Godard, Peter Greenaway, Edgar Pêra

Buch: Jean-Luc Godard, Peter Greenaway, Edgar Pêra

Kamera: Luís Branquinho, Reinier van Brummelen

Schnitt: Raphaël Lefèvre

Musik: Marco Robino

Mit: Keith Davis, Miguel Monteiro, Carolina Amaral, Leonor Keil


 

Wahrnehmungslabor 3D
Bildrausch 2014