Jostoju
The Search

 

 

Am 8. 9. 1978 kam es zu einem Blutbad auf den Strassen Teherans, mit dem, rückblickend, das Ende des Schah-Regimes seinen Anfang nahm. Tausende sollen bei diesem Massaker ihr Leben verloren haben. Doch was passierte mit den Opfern? Wie viele waren es wirklich? Und was geschah mit den Leichen? Rund ein halbes Jahr nach dem Fall der alten Ordnung begann Naderi mit den Dreharbeiten zu diesem Dokumentarfilm. Es war nun an der Zeit, befand er, eine Antwort zu geben auf die eine Frage, welche seit dem sogenannten Schwarzen Freitag so viele Menschen umtrieb: Wo sind meine Nächsten? Massengräber werden ausgehoben; Leichen(teile) harren ihrer Identifikation; je konkreter die Ausmasse des Verbrechens werden, desto ungeheuerlicher, unfassbarer erscheint es.

            Das letzte Viertel des Films ist Schweigen. Im Jahr darauf realisierte Naderi eine Fortsetzung, mehr des Projekts denn der Geschichte, The Search 2 (Jostoju 2, 1982); diesmal ging er an die Front, filmte den Iranisch-Irakischen Krieg. Noch mehr Leichen. Und liessen sich im ersten Film die Guten und die Bösen noch relativ klar Personen, Gruppen und Institutionen zuordnen, so verwischten sich hier die Grenzen. The Search 2 wurde bislang, soweit überschaubar, noch nie offiziell im Iran gezeigt, gilt auch ansonsten als nahezu unmöglich zu sehen. Um The Search ist es kaum besser bestellt: Bildrausch zeigt die einzige noch spielbare Kopie. (om)

 

 

Iran 1981
85 Min. sw. 16 mm. Farsi/e

Regie: Amir Naderi

Buch: Amir Naderi

Kamera: Bahram Molai

Schnitt: Bahram Beizai

Musik: Nezamoddin Kiaie

Mit: Abbas Nazeri, Majid Niroumand, Musa Torkizadeh


 

Zwischen Abgrund und Hoffnung – Amir Naderis Kino der Exzesse
Bildrausch 2013