Ghesseha
Tales

 

 

Rakhshan Banietemad, eine der grössten lebenden Filmschaffenden des Irans, verbrachte die letzten Dekaden in einer Art inneren Exils: Da sie sich mit der herrschenden Regierung nicht gemein machen wollte, drehte sie nur noch Dokumentationen. Ihr Comeback-Spielfilm, eines der wenigen wahren Meister-

werke des Jahres 2014, entstand auch haarscharf am Regelwerk der Filmaufsichts-

behörden vorbei: nicht als eine Langmetrage, sondern als eine Reihe von Kurzfilmen – für die sie keine Drehgenehmigung brauchte. In den Vignetten, aus denen Tales (Ghesseha) besteht, sieht man einen Iran, von dem man zwar weiss, dass er existiert, der im Kino aber nur selten seine Widerspiegelung findet: arbeitslose Männer, inhaftierte Dissidenten, drogen-

abhängige Frauen, streikende Arbeiter, gegängelte Kriegsveteranen etc. Ist man mit Banietemads Schaffen vertraut, kennt man einige der Charaktere aus früheren Filmen – wobei es keinem heute besser geht als damals. Dann ist da aber auch noch die Liebe, welche sich selbst unter den widrigsten Umständen durchzusetzen vermag, und die Geduld und die Gnade und die Vernunft und die Hoffnung, dass es auch einmal wieder anders werden wird, wenn man nur den Mut nicht aufgibt und weitermacht. (om)

 

 

 

Iran 2014
88 Min. Farbe. DCP. Fa/e

Regie: Rakhshan Banietemad

Buch: Rakhshan Banietemad, Farid Mostafavi

Kamera: Koohyar Kalari

Schnitt: Sepideh Abdolvahab

Musik: Siamak Kalantari

Mit: Mohammadreza Forootan, Habib Rezaei, Mehraveh Sharifinia


 

Internationaler Wettbewerb 2015 "Cutting Edge"
Bildrausch 2015