Die andere Heimat - Chronik einer Sehnsucht

 

 

Seit über 30 Jahren hat Edgar Reitz keine Kinospielfilme mehr gemacht – seine fiktionalen Werke der letzten Dekaden, welche alle um die Bewohner des Hunsrückdorfes Schabbach kreisen, entstanden fürs Fernsehen, als Serien. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass der Altmeister-Vordenker des Jungen Deutschen Films ausgerechnet jetzt, wo die armen Ritter vom Zeitgeiste unermüdlich das Loblied der TV-Serie singen, sein viertes Schabbach-Epos fürs Kino gestaltet: die Geschichte eines Bruderzwists vor dem Hintergrund des jungdeutschen Aufbegehrens wie der Massenauswanderungen amerikawärts. Ausgebreitet wird die Geschichte von Jakob und Gustav und den Frauen, die sie lieben: in einem ganz wunderbaren Schwarzweiss mit Farbintarsien; mit einem mal feinsinnig, mal barbarisch brillanten Sinn für das Erzählen in Kontraktionen, breit ausgespielten Szenen und wahnwitzig weiten Ellipsen; einer Lust sowohl am Schwärmen, sich Versteigen in Visionen als auch am Versinken in den Details dieser Agrarkultur, dem Matsch, den Rissen im Holz. So macht der Film sicht- und spürbar, dass die jungdeutsche Revolution in Wahrheit vielleicht doch eine permanente ist. Also ein Traum, was sonst. (om)

 

 

 

 

Deutschland/Frankreich 2013
225 Min. Farbe.. sw.. D/e

Director: Edgar Reitz

Script: Edgar Reitz, Gert Heidenreich

Camera: Gernot Roll

Editor: Uwe Klimmek

Music: Michael Riessler

Cast: Jan Dieter Schneider, Antonia Bill, Maximilian Scheidt


 

Specials
Bildrausch 2014