Berberian Sound Studio

 

 

Gilderoy ist ein Genie des Filmtons, ein Sensibler, wenns um Geräusche, deren Besonderheiten, Charakteristika geht. Ein Brite obendrein, den es nach Italien verschlagen hat. Gerufen ward er von Santini, einem Pracht-

exemplar von Giallo-Gott. Santini will, dass Gilderoy ihm für sein aktuelles Werk bislang noch nie dagewesene Töne des Schreckens schafft – und dass er ihm dabei gehorcht. [Berberian Sound Studio] (2012) ist: eine Verbeugung vor dem Eurohorrorkino der 60er- und 70er-Jahre; eine Hommage an die alte Kunst der Geräuschemacher; damit ein absolut perfekt gearbeiteter, in seiner lässig die Zone zwischen Avantgarde und Pulp aus-

lotenden Durchgestaltung so inspirierter wie inspirierender Essay in Genrekonfektions-

gestalt über das Verhältnis von Bild und Ton im Film. Am Ende erweist sich [Berberian Sound Studio] aber auch als eine Variation über das Stanford-Experiment, in dem es um die Abrichtbarkeit des Menschen geht. Man erinnere sich: Fast jede/r wird ganz schnell gleichgültig gegenüber dem Leid anderer, fast jede/r scheint in der Lage, Grausamkeiten zu begehen, wenn nur eine Autorität ihr/ihm sagt, dass dieses Foltern und Töten in Ordnung ist. So wird hier: das Tonstudio zum Labor, das Kino zur moralischen Anstalt. (om)

 

 

Grossbritannien 2012
92 Min. Farbe. DCP. E, I/d, e

Director: Peter Strickland

Script: Peter Strickland

Camera: Nicholas D. Knowland

Editor: Chris Dickens

Music: Broadcast

Cast: Toby Jones, Cosimo Fusco, Antonio Mancino, Chiara D’Anna


 

Peter Strickland: Mein ist die Rache
Bildrausch 2015