JAHR

 


Jury des Internationalen Wettbewerbs 2016

JEAN PERRET


(*1952 in Paris) beendet sein Studium an der Universität Genf mit einer Lizentiatsarbeit zum Schweizer Dokumentarfilm der 1930er-Jahre. Er arbeitet als Filmjournalist für verschiedene Medien und ruft in Locarno die «Semaine de la critique» ins Leben, die er von 1990 bis 1994 leitet. Als er 1995 die Direktion des altehrwürdigen Dokumentarfilmfestivals in Nyon übernimmt, macht er das Festival, das von nun an «Visions du Réel» heisst, innert weniger Jahre zu einem Epizentrum des internationalen Dokumentarfilms. Jean Perret fördert das Nachdenken über Kino; ihn interessieren gerade auch Mischformen des Dokumentarischen und Fiktionalen, Verschmelzungen, mit denen filmisches Neuland betreten wird. Nach 16 erfolgreichen Jahren wird Perret 2010 die Leitung der Abteilung Film/«cinéma du réel» an der Haute école d’art et de design (HEAD) in Genf anvertraut. Hier profitiert eine junge Generation von Filmschaffenden von seiner Weitsicht und der Liebe zum Kino. Jean Perret will ihnen ein Versuchsgelände eröffnen, sie anregen, «ihren eigensten filmischen Ausdruck zu finden und die stärkste innere Motivation, die ihre Arbeit legitimiert.»
 

CHRISTINE DOLLHOFER


(*1963 in Wels) studiert an der Universität Wien Theaterwissenschaften und Publizistik/Medienwissenschaften. Seit 1990 setzt sie sich als Leiterin und Kuratorin zahlreicher Filmfestivals und thematischer Filmreihen für das Autorenkino ein, das sie unter verschiedenen Gesichtspunkten beleuchtet. Sie war Geschäftsführerin des Art-House-Kinos Filmcasino in Wien (1994–96) und leitete u.a. das Festival des österreichischen Films, DIAGONALE. Sie ist Vorstandsmitglied von Sixpack Film und Jurymitglied des Österreichischen Film-
instituts. Christine Dollhofer ist Gründerin und Direktorin des CROSSING EUROPE Filmfestivals in Linz, wo sie die Scheinwerfer auf handverlesene europäische Filme, welche das aktuelle gesellschaftspolitische Treiben thematisieren, richtet. Sie ist seit 2011 auch Programmdelegierte (Österreich, Schweiz, Deutschland) für das San Sebastián Int. Film Festival in Spanien und Acquisition Consultant für den Filmladen Filmverleih in Wien. Mehrere Lehraufträge ergänz-
en ihr Tätigkeitsfeld. Christine Dollhofer wurde 2007 mit dem Würdigungspreis für Filmkunst der Republik Österreich ausgezeichnet.
 

ALBERT SERRA


Der katalanische Filmemacher Albert Serra (*1975 in Spanien) ist einer der grossen Visionäre des zeitgenössischen Kinos. Seine kompromisslose, symbolisch aufgeladene Bildsprache setzt mehr auf Stimmung und die Kraft des Visuellen als auf lineares Erzählen. Er verbindet auf humorvolle und ironisierende Art kunst(-historische) Referenzen, ohne dabei in das Genre des Historiendramas zu verfallen. Vielmehr interessieren ihn Überlegungen zu der Gegenwart ikonischer Figuren wie Dracula oder Casanova, die sich in Serras ganz eigenen, originären Bildwelten entfalten. Albert Serra studiert Literatur und Kunstgeschichte an der Universität in Barcelona. 2006 schreibt, realisiert und produziert er seinen ersten langen Film, Honor de cavallería (Hononour of the Knights), gefolgt von Els cant des ocells (Birdsong), 2008, – beide werden für die Quinzaine des Réalisateurs in Cannes ausgewählt. Für die Ausstellung Correspondencias in Barcelona realisiert er 2010 Els noms de Crist und ein Jahr später El senyor ha fet en mi meravelles. Beide Filme laufen 2011 in Locarno in der Sektion Fuori concorso. Im selben Jahr gehört er zu den 60 Regisseuren, die am Projekt «60 Seconds of Solitude in Year Zero» teilnehmen – einer Reihe einminütiger Kurzfilme zum Thema «Tod des Kinos». Im Jahr 2013 wird sein Film Història del mega mort (Story of my Death) in Locarno mit dem Goldenen Leoparden ausgezeichnet. Auf seinen neuesten Streich La mort de Louis XIV darf man gespannt sein.